Traumjob

 

Business Lunch im Maßanzug

Das Beste ist gerad gut genug

Bronzegefärbte Gecken.

Prosecco-Sekretärinnen

Die schrill in Kaffeeküchen kichern

Und nach Lip-Gloss schmecken.

 

Heute Mariannengraben

Morgen hoch zum Everest

Gipfelfoto ohne Sherpas.

Du kannst sagen, was du willst

Ganz allein den Ruhm kassiern

Macht einfach so viel mehr Spaß.

 

Gelb der Neid und rot das Tuch

Das sind die Farben für den Winter

Denn im klirrenden Neonlicht

Das Herzen kaltweiß blendet

Sieht man andere Farben nicht

Die wurden längst verpfändet

 

Offene Arme gehen gar nicht

Dann stehst du ohne Deckung da

Und kannst nicht einmal mehr beten

Dass sie, wenn es hart auf hart kommt

Dich verschonen und statt dir

Irgend einen anderen töten

 

Megadeal

Champagner zischen

Steak war blutig

Mund abwischen

 

Deine Frau ertränkt dich täglich

In einem Schwall von Sinustönen

Sektkelchscherben tief im Altglas.

Gegen eine Luftkuss-Ehe

Macht Platinum-Card-Sex auf Spesen

Einfach so viel mehr Spaß.

 

Nebelbomben

Offen lügen

Vorwärts hecheln

Selbst betrügen

Große Geste

Darfst nicht klagen

Schlaf ist für Verlierer

Falsche Freunde

Saurer Magen

Und an deiner Wirbelsäule

Sägen die Sektierer

Lebenslang Entscheider

Doch mittlerweile leider

Sechsundfünfzig – hochbetagt

Zweifel nagt

Herzinfarkt

 

Ich setz mich heute hinter’s Haus

Und kippel mit dem Stuhl

Ein Maulwurf schaut zum Hügel raus

Und wartet auf den Schlussapplaus

Ich lächle mild, denn mir wird klar:

Im Dreck wühln ist sein Leben

Für ihn kann es auf dieser Welt

Nur braune Haufen geben

Der findet Buddeln schlichtweg cool

Ich wieg mich sanft auf meinem Stuhl

 

Es herrscht Windstärke Null

__________________________________

© Volker Giesek 2017

An der Clipping-Grenze
Männer, die auf Zettel starren | Teil 1

2 Comments

LEAVE A COMMENT

FEEDBACK