{"id":1248,"date":"2014-10-31T19:00:36","date_gmt":"2014-10-31T18:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blogaroundsound.de\/?p=1248"},"modified":"2021-08-01T14:46:03","modified_gmt":"2021-08-01T12:46:03","slug":"was-das-problem-mit-wettbewerb-in-der-musik-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.blogaroundsound.de\/?p=1248","title":{"rendered":"Was das Problem mit Wettbewerb in der Musik ist"},"content":{"rendered":"<p>Das sagt <span style=\"color: #808000;\">Maria Schneider<\/span>, eine der ganz gro\u00dfen zeitgen\u00f6ssischen Komponistinnen. Und viele andere, die es eigentlich wissen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und dann noch ich.<\/p>\n<h3>Willst du mir zusehen, wie ich an dem Ast s\u00e4ge, auf dem ich sitze?<\/h3>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Voil\u00e0:<\/p>\n<p>Ich halte die Kombination Musik \u2013 Wettbewerb \/ Vergleich \/ Benotung f\u00fcr mindestens&nbsp;ungl\u00fccklich, mitunter sogar f\u00fcr widersinnig bis fatal.<\/p>\n<p>Dabei lebe ich unter anderem&nbsp;auch von sowas. Das ist die Widerspr\u00fcchlichkeit meiner Existenz. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Inspiriert zu diesem Blogeintrag&nbsp;hat mich auch der Zeit Online-Artikel&nbsp;<a title=\"Zeit Online-Artikel &quot;Spielen bis zum Umfallen&quot;\" href=\"https:\/\/www.evernote.com\/shard\/s245\/sh\/4b92b465-f0b1-4fdd-ab64-a135de9f38eb\/17592ff6094ff5f8b38100a6a183bd86\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Spielen bis zum Umfallen&#8221;<\/a>, der die Frage nach dem Sinn eines von (Hoch-) Leistungsdruck und Drill gepr\u00e4gten, fast von Beginn an&nbsp;vollst\u00e4ndig der Musik untergeordneten, anstatt von ihr bereicherten, Lebens&nbsp;stellt. (F\u00fcr Eilige war ich darin schon mal mit dem Textmarker unterwegs. Ich freue mich aber f\u00fcr jeden, der die Mu\u00dfe hat, Dinge ganz in Ruhe vollst\u00e4ndig zu erkunden.)<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal m\u00f6chte ich hier jedoch&nbsp;gar nicht von Wettbewerben oder Orchestervorspielen sprechen, sondern von etwas, bei dem ich mich auskenne:<\/p>\n<h3>Unterrichten<\/h3>\n<p>Lehrer m\u00fcssen, um einem Sch\u00fcler den Weg zu weisen, auch konstruktiv kritisieren, das ist klar. Und nirgends ist Lobhudelei (nicht Lob!) unangebrachter als in der Unterrichtssituation.<\/p>\n<p>Ich&nbsp;w\u00fcrde jedoch&nbsp;niemals&nbsp;Sch\u00fcler w\u00e4hrend einer Unterrichtsstunde&nbsp;wertend&nbsp;miteinander vergleichen (indem ich Zensuren vergebe, muss ich es dann indirekt doch tun):<\/p>\n<p>&#8220;Also wei\u00dft du, Sven, Anika&nbsp;ist dir in Sachen Phrasierung, Groove und Improvisation&nbsp;eine ganze Ecke voraus, ich w\u00fcrde sagen, sie ist ein F\u00fcnftel besser als du.&#8221; \u2013 Jetzt ist Sven bestimmt total motiviert, so gut wie Anika zu werden, yeah!<\/p>\n<p>Ich finde, er sollte nicht Anika und nicht einmal mir als seinem Lehrer verpflichtet sein, sondern einzig und allein der Musik und sich selber.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde nicht mal Anika sagen, dass sie von all meinen Sch\u00fclern mit Abstand die begabteste, versierteste, beste&nbsp;ist. Unter den Sch\u00fclern meines Kollegen w\u00e4re&nbsp;sie\u00b4s vielleicht schon nicht mehr. Und darum geht\u00b4s auch gar nicht.<\/p>\n<p>Oder, um es mit <span style=\"color: #808000;\">Ben Folds<\/span> zu sagen: <span style=\"color: #808000;\">&#8220;There\u00b4s Always Someone Cooler Than You&#8221;<\/span>. (Check die <a title=\"Lyrics &quot;There\u00b4s Always Someone Cooler Than You&quot;\" href=\"https:\/\/www.evernote.com\/shard\/s245\/sh\/e4fee534-5c1b-42d4-816e-20a5eb96b901\/d66c511b3cf563398ad3d48edd7fb1a8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lyrics<\/a> \u2013 es lohnt sich!).<\/p>\n<h3>Meine Sch\u00fcler und ich gehen&nbsp;den gleichen Weg, ich bin lediglich fr\u00fcher los gelaufen<\/h3>\n<p>Es ist doch im Idealfall so: Auf der einen Seite&nbsp;will jemand&nbsp;etwas \u00fcber Musik lernen und die ist ohnehin der Chef. (Und falls der mal zickt, taugt als Interims-Motivation durchaus auch&nbsp;einmal die Vision eines auf feinstes B\u00fctten gepr\u00e4gten, T\u00fcren \u00f6ffnenden und Eltern bes\u00e4nftigenden staatlichen Abschlusszeugnisses.)<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist&nbsp;da dieser Typ,&nbsp;der einem bei der ganzen Geschichte helfen kann und auch noch will (!), indem&nbsp;er seinen Erfahrungsvorsprung bereitwillig teilt.<\/p>\n<p>Hm,&nbsp;also f\u00fcr mich klingt das&nbsp;nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig kompliziert, eher nach einem perfekt passenden 2-Teile-Puzzle. Und das m\u00fcsste eigentlich jeder hinkriegen,&nbsp;dessen Speiseplan zumindest teilweise&nbsp;aus fester Nahrung besteht.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus finde ich: Musik geh\u00f6rt geh\u00f6rt (&#8220;Ey, Alder, stottersdujetz oder was?&#8221;). Und Musik geh\u00f6rt gemacht (&#8220;Ah-\u00df\u00dfooo\u2026!&#8221;).<\/p>\n<p>Und bezahlt.<\/p>\n<p>Aber muss sie bewertet werden?<\/p>\n<p>Von wem? Von den Kritikern, den &#8220;Kennern der Materie&#8221;? Von allen? Ist pers\u00f6nlicher Geschmack schon ausreichend, um als &#8220;Kenner der Materie&#8221; durchzugehen?<\/p>\n<p>F\u00fcr wen? Wem dient das Bewerten? Den Bewerteten, als Orientierung? Den Bewertern, weil ein ganzes (und eben auch musikalisches) Bildungssystem, samt der dazu geh\u00f6renden Berufsbilder und Hierarchien auf Benotung und Bewertung fu\u00dft?<\/p>\n<p>Wird die Musik als solches durch Benotung besser? Werden Musiker durch vergleichende Bewertung besser? W\u00fcrden sie ohne sie langsamer zu k\u00fcnstlerischer&nbsp;Reife&nbsp;gelangen?<\/p>\n<h3>Kein musikalischer Lebenslauf von Wert mehr ohne erste Preise<\/h3>\n<p>\u2026bei Dingen wie<\/p>\n<ul>\n<li>Jugend Musiziert<\/li>\n<li>der&nbsp;Anton\u00edn Dvor\u00e1k International Vokal&nbsp;<strong>Competition<\/strong><\/li>\n<li>dem Brussels Jazz Orchestra International Composition&nbsp;<strong>Contest<\/strong><\/li>\n<li>dem Anna-Amalia-<strong>Wettbewerb<\/strong>&nbsp;f\u00fcr junge Gitarristen<\/li>\n<li>der International&nbsp;<strong>Competition<\/strong>&nbsp;of Blind and Partially Sighted Music Interpreters and Composers<\/li>\n<li>dem Boris Pergamenschikow&nbsp;<strong>Preis<\/strong>&nbsp;f\u00fcr Kammermusik<\/li>\n<li>dem Biberacher Jazz<strong>preis<\/strong>&nbsp;\/&nbsp;Internationaler&nbsp;<strong>Wettbwerb<\/strong>&nbsp;f\u00fcr jugendliche Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker<\/li>\n<li>der&nbsp;Alexander Tansman International&nbsp;<strong>Competition<\/strong>&nbsp;of Musical Personalities<\/li>\n<li>Jugend jazzt &#8211; Landes<strong>wettbewerb<\/strong>&nbsp;Sachsen-Anhalt<\/li>\n<li>dem Song<strong>wettbewerb<\/strong>&nbsp;<strong>Panikpreis&nbsp;<\/strong>(Nomen est omen!)<\/li>\n<li>der Arturo Toscanini International Conducting&nbsp;<strong>Competition<\/strong><\/li>\n<li>Jugend jazzt mit dem \u0160KODA Jazzpreis &#8211; Bundes<strong>begegnung&nbsp;<\/strong>(Oops!)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>oder wenigstens dem <strong>Wigald Boning-Shootout&nbsp;f\u00fcr Nasenfl\u00f6te<\/strong>?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es will fast so scheinen.<\/p>\n<p>Auf der diesbez\u00fcglichen Seite des&nbsp;<a title=\"MIZ Musikpreise\" href=\"http:\/\/www.miz.org\/themenportale\/musikfoerderung\/musikpreise-stipendien-auszeichnungen-s525-p0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschen Musikinformationszentrums<\/a>&nbsp;gibt es Eintr\u00e4ge zu&nbsp;\u00fcber 600&nbsp;europ\u00e4ischen Musikwettbewerben, davon \u00fcber 350 allein&nbsp;in Deutschland.<\/p>\n<p>Pfff, ehrlich, das macht mich fertig\u2026 (na ja, geht so\u2026)<\/p>\n<p>Und wie ich so da sitze und sinnierend am Computer-Keyboard knabbere (fr\u00fcher hab ich daf\u00fcr immer einen Bleistift benutzt)\u2026<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt mir ein sch\u00f6nes, altes Wort f\u00fcr jemanden ein, der ohne viel theoretisches Hintergrundwissen, mehr aus dem Bauch als aus dem Buch, einfach drauflos spielt, ein gro\u00dfes Repertoire auswendig parat hat und die Zuh\u00f6rer nicht auf der&nbsp;intellektuellen, sondern der emotionalen (mitunter&nbsp;auch spirituellen) Ebene erreicht.<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>Ok, Leute, wenn sich ein Cliffhanger so derma\u00dfen aufdr\u00e4ngt, kann selbst ich nicht widerstehen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kannst du&nbsp;es vor Neugierde kaum aushalten. &#8220;Was ist das f\u00fcr ein Wort? Werde ich es \u00fcberhaupt noch verstehen, wenn es so alt ist? Ist es ein deutsches Wort, ein englisches, franz\u00f6sisches, kirgisisches, klingonisches\u2026? Wird es kurz oder lang sein oder so mittel?&#8221;<\/p>\n<p>Ich jedoch,&nbsp;ich spann&nbsp;dich&nbsp;auf die Folter, lass&nbsp;dich&nbsp;zappeln, im Dunkeln tappen, auf Kohlen sitzen, aber verspreche:<\/p>\n<p>Ich sag\u00b4s dir&nbsp;n\u00e4chstes Mal. Gleich zu Anfang. Echt.<\/p>\n<p><span class=\"embed-youtube\" style=\"text-align:center; display: block;\"><iframe loading=\"lazy\" class=\"youtube-player\" width=\"1100\" height=\"619\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/0GijvVT8E44?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent\" allowfullscreen=\"true\" style=\"border:0;\" sandbox=\"allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox\"><\/iframe><\/span><\/p>\n<p><span class=\"embed-youtube\" style=\"text-align:center; display: block;\"><iframe loading=\"lazy\" class=\"youtube-player\" width=\"1100\" height=\"619\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/CDNkY2yDXO0?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent\" allowfullscreen=\"true\" style=\"border:0;\" sandbox=\"allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox\"><\/iframe><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sagt Maria Schneider, eine der ganz gro\u00dfen zeitgen\u00f6ssischen Komponistinnen. 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