Das Video „Understand Music“ von Florian Geyer habe ich auf meiner Suche nach einem geeigneten wordpress-Theme für blogaroundsound entdeckt.
Ich finde es schlichtweg großartig: Besser und ästhetischer kann man die Message nicht rüber bringen!

Und die ist: Hintergrundwissen ist keine Voraussetzung für Musikgenuss. Stimmt, würde ich sagen, was meinst du? Musik spricht uns doch eher auf der emotionalen als auf der intellektuellen Ebene an.

Die Magie der Unschuld

So weit klar, aber wie ist das dann: Kann ein ausgebildeter Musiker Musik überhaupt noch genießen? Will sagen: mit der gleichen Unschuld genießen wie der vollkommen von Fachwissen Verschonte. Entfaltet Musik ihre Wirkung nicht am besten ohne hinterfragt zu werden? Beraubt man sie am Ende gar ihrer wichtigsten Funktion – wo bleibt die Magic?, die uns entführt, wenn jeder Ton, jedes Motiv, die komplette Harmonik einer Passage samt ihrer formalen Aspekte schon beim Hören reflexartig analysiert werden und man bei sämtlichen musikalisch ausgelösten Gefühlswallungen das „Making Of“ gleich mitdenkt? Wallt da dann noch was? 

Nach jahrzehntelanger, aufmerksamer Selbstbeobachtung kann ich Euch versichern:

Es wallt!

Weil: der „Genuss-Sender“ und der „Analyse-Sender“ senden auf zwei ganz unterschiedlichen Frequenzen. Und während der eine angewählt ist, ist der andere schlichtweg nicht zu hören. So ähnlich, wie man nicht gleichzeitig schlucken und einatmen kann (was, kannst du? Ab ins Varieté!).

Konkret: Wenn ich mal wieder anlässlich einer Transkription bei einem meiner Heroes ganz genau hinhöre und überlege, was zum Teufel das Konzept sein könnte, das der betreffenden Passage zu Grunde liegt, damit auch ich was damit anfangen kann, dann bin ich voller Neugier, sicher auch Respekt und Bewunderung. Schöne Sachen, klar, aber nicht das Wesentliche, was Musik vermitteln kann, sollte und im besten Fall auch tut.

Und wenn ich andererseits, wie geschehen, während einer einsamen Autobahnfahrt mit Tränen in den Augen die Standspur ansteuern muss, weil „Still Fighting It“ von Ben Folds und „Father, Son“ von Peter Gabriel im Doppelpack ein paar seelische Tiefen im hormongeschüttelten frisch gebackenen Vater ausgelotet haben, von denen der noch gar nicht wusste, dass sie in ihm schlummern, ja, dann ist es mir herzlich wurscht, ob dabei eine Plagale Kadenz oder ein Mollsubdominantakkord kurz vor der Bridge am Start waren!

Fazit: Wenn dich Musik so sehr interessiert, dass du hinter ihre Kulissen blicken willst, dann nur zu, du kannst nichts kaputt machen. Außerdem reicht ein Leben nicht aus, um alles Wundervolle zu entdecken, was da herum steht (warum studieren eigentlich so wenig Katzen Musik, wo schon eine ganze Gattung nach ihnen benannt ist und sie neun Leben haben?).

In diesem Sinne:

Wenn du Musik hörst:

Denk dir nichts.

 

 

What´s it all about, Alfie?
Jetzt klatscht endlich! Warum deine Kunst nicht von allen geliebt wird – und das OK ist. (Teil 1/3)

Volker Giesek

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